Gemeinsam für den gesunden Arbeitsalltag

25.03.2019

Wie lässt sich Überlastung im Beruf vermeiden? Lösungen aus der Praxis diskutierten Unternehmer und Mediziner im BBRZ in Karlsbad-Langensteinbach.


Gerhard Heil, Leiter technische Berufe (l.), schilderte den praktischen Anteil der Ausbildung.

Mathias Schneider stellte die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker vor.

Die Zahlen sind alarmierend: „30 Prozent der Krankschreibungen haben mittlerweile psychische Ursachen, berichten die Krankenkassen“, eröffnete Thomas Windolf, Geschäftsführer der SRH Berufliche Rehabilitation, die Veranstaltung „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Über 30 Unternehmer waren am Dienstag (19. März) ins Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) gekommen, um sich zu ihren Erfahrungen auszutauschen.

Denn psychische Erkrankungen sind in der Arbeitswelt längst kein Randthema mehr, sondern Grund für fast jede zweite Frührente. Ein schwerer Verlust für die Betroffenen und die Wirtschaft. Zum dritten Mal hatte deshalb der Karlsbader Verein „Aktiv gegen Stigma“ Arbeitgeber ins BBRZ eingeladen, sich zu informieren, was sich dagegen tun lässt.

Die Strategien kamen direkt aus der Praxis: H. Dieter Breuer, Leiter Personalbetreuung bei der Firma Neff in Bretten, zeigte, wie sein Unternehmen durch Gesundheitsmanagement Mitarbeiter unterstützt. „Führungskräfte müssen wissen, woran sie Überlastung bei Mitarbeitern erkennen und wie sie darauf reagieren. Das gelingt mit einem Hilfssystem.“ Ein solches System hat das Unternehmen mit der SRH Rehaeinrichtung für psychisch Kranke (RPK) und dem SRH Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach entwickelt.

„Wir haben unsere Führungskräfte geschult, wie sie psychisch belastete Mitarbeiter erkennen und wie sie diese auf Veränderungen ansprechen. Wenn sie etwa häufig unkonzentriert sind oder sich zurückziehen, kann dies ein Zeichen für eine akute Belastung sein. Dann können wir eine Beratung vermitteln.“ Mit Erfolg: Die Fälle von Überlastung und die Ausfallzeiten durch psychiatrische Erkrankungen gingen in den letzten zwei Jahren zurück. „Nun setzen wir stärker auf vorbeugende Angebote, dass Mitarbeiter erkennen, wie sie Überlastung entgegenwirken und auf sich achten“, sagte Breuer. „Denn eine psychische Erkrankung kann jeder bekommen.“

Gerade bei einer solchen Erkrankung habe Arbeit aber auch positive Effekte, betonte Prof. Dr. Matthias Weisbrod, Vorsitzender von „Aktiv gegen Stigma“ sowie Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am SRH Klinikum. „Sie gibt Struktur und Stabilität.“

Wie Menschen nach einer Erkrankung wieder ins Arbeitsleben finden, schilderte deshalb Bernd Augenstein, technischer Leiter der Bauer Walser AG aus Keltern. Die Basis für den Wiedereinstieg legt etwa das BBRZ mit Ausbildungen für Menschen, die aufgrund einer psychischen oder neurologischen Erkrankung ihren Beruf aufgeben mussten. Seit zwei Jahren verstärkt ein Absolvent des BBRZ die Bauer Walser AG und hat erfolgreich Fuß gefasst.

„Mit Unterstützung und einem offenen Umgang im Betrieb gelingt der Einstieg sehr gut und der Kollege gewinnt Selbstvertrauen. Gleichzeitig hat diese Erfahrung uns dafür sensibilisiert, auf die eigene Überlastung zu achten“, so Augensteins Fazit. Beim anschließenden Rundgang durch das BBRZ diskutierten die Unternehmer und Mediziner ihre Erfahrungen. So entstehen vielleicht weitere Ideen, wie ein gesundes Arbeitsumfeld gelingt.