Beruflicher Erfolg mit Ecken und Kanten

03.06.2019

Wie gelingt der Wiedereinstieg in eine digitale Arbeitswelt, deren Anforderungen immer komplexer werden? Das beleuchtete der Karlsbader Reha-Tag am 21. Mai.


Foto: Vortrag Dr. Schaudt vom BBRZ

Dr. Dieter Schaudt (vorne) informierte zu den beruflichen Möglichkeiten bei Autismus (Foto: BBRZ)

Ecken, Kanten und Brüche im Lebenslauf gehören heute zum Arbeitsleben dazu. Schwieriger wird es, wenn jemand nach einem Unfall oder einer Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Fast jede zweite Frührente hat mittlerweile psychische Ursachen. Damit es nicht soweit kommt, benötigen Betroffene neue Lösungen, beruflich wieder Fuß zu fassen.

Wie diese aussehen können, diskutierten Reha-Beraterinnen und Berater am 21. Mai im Beruflichen Bildungs- und Rehazentrum (BBRZ) der SRH: Zum zweiten Mal hatte das BBRZ eingeladen, sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. Experten gaben einen Einblick in neue Konzepte und medizinische Hintergründe.

Autismus kennen viele aus Filmen: Hochbegabte Menschen, deren einziges Hindernis Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und eine eigentlich recht liebenswürdige Schrulligkeit sind. Doch abseits dieser Klischees ist Autismus eine Erkrankung, mit der Menschen im beruflichen Alltag klare Einschränkungen haben, aber auch sehr gut zurechtkommen können. Vorausgesetzt, ihr Umfeld kann sich darauf einstellen. Das zeigte Dr. Dieter Schaudt, leitender Arzt im BBRZ.

„Autismus wird gerade bei Erwachsenen erst sehr spät diagnostiziert. Sie fallen auf, weil sie wenig empathisch sind und häufig soziale Regeln nicht verstehen. Aber mit bestimmten Voraussetzungen wie strukturierte Aufgaben und Rückzugsmöglichkeiten können sie ihre Stärken nutzen“, sagte Dr. Schaudt.

Im Gegensatz zu Autismus kann sich eine psychische Erkrankung über lange Zeit entwickeln. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, erleben schon alltägliche Aufgaben als kaum zu bewältigen. Sie wissen nicht, was sie sich noch zutrauen können und wie sie ungünstige Muster durchbrechen.

Wie wichtig es ist, so früh wie möglich mit einer medizinischen und beruflichen Reha anzusetzen, erklärte Dr. Gustav Wirtz, leitender Arzt der Rehaeinrichtung für psychisch Kranke in Karlsbad-Langensteinbach. Dabei haben die Teilnehmer ein vielfältiges Angebot an Therapien und Möglichkeiten, Berufe auszuprobieren. „Etwa 60 Prozent aller Absolventen sind danach belastbar genug, um wieder in Arbeit einzusteigen.“

Wie so ein Weg zwischen den Schnittstellen von Medizin und beruflicher Reha aussehen kann, beleuchteten Prof. Dr. Matthias Weisbrod, Chefarzt für Psychiatrie am SRH Klinikum und Dr. Steffen Aschenbrenner, Psychologischer Psychotherapeut, mit einem Beispiel aus der Praxis.
Die Präsentationen der Fachtagung finden Sie hier zum Download: